Tasse Tee und brennende Kerze als kleine Auszeit für Eltern

Selbstfürsorge für Eltern: Warum sie im Alltag so schwerfällt

Zwischen Familienalltag und eigenen Bedürfnissen: Wie finde ich wieder Raum für mich?


„Du musst auch mal etwas für dich tun.“ Diesen Satz haben viele Eltern schon gehört. Ich auch. Doch Selbstfürsorge für Eltern klingt im vollen Familienalltag oft leichter, als sie ist. Manchmal möchte ich zurückfragen: Wann genau?
Wenn morgens schon jemand seine Schuhe nicht findet, nachmittags Hausaufgaben und Termine anstehen und abends alle gleichzeitig etwas brauchen, fühlt sich Zeit für sich selbst wie ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste an. Gerade mit einem neurodivergenten Kind kommt oft noch vieles dazu, das von außen niemand sieht: vorausdenken, Pläne erklären, Reize im Blick behalten und auffangen, wenn der Tag anders läuft als gedacht.

Besonders deutlich wird das manchmal nach der Schule. Während andere vielleicht denken, dass der anstrengende Teil des Tages längst vorbei ist, beginnt zu Hause die eigentliche Gefühlsachterbahn. Warum Kinder in der Schule scheinbar problemlos funktionieren und zu Hause plötzlich völlig überfordert sein können, erkläre ich in meinem Artikel „In der Schule klappt es doch – warum zu Hause trotzdem alles zu viel sein kann“.
Ich merke manchmal erst, wie müde ich bin, wenn es endlich still wird. Und selbst dann fällt es mir schwer, mich einfach hinzusetzen. Schließlich wäre da noch die Küche. Oder die Nachricht, die ich seit Tagen beantworten wollte.

Selbstfürsorge ist nicht egoistisch

Viele Eltern haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie etwas für sich tun. Dabei würden wir genau das unseren Kindern niemals sagen. Wenn ein Kind erschöpft ist, darf es sich ausruhen. Wenn ein Kind traurig ist, trösten wir es. Wenn ein Kind überfordert ist, versuchen wir, die Belastung zu reduzieren.
Warum behandeln wir uns selbst oft schlechter? Gerade deshalb ist Selbstfürsorge für Eltern keine zusätzliche Aufgabe, die perfekt gelingen muss. Sie darf dort anfangen, wo im Alltag ein wenig Raum entsteht.
Selbstfürsorge bedeutet nicht, dass man die Familie vernachlässigt. Sie bedeutet, die eigenen Akkus aufzuladen, damit man überhaupt die Kraft hat, für andere da zu sein.

Mutter genießt mit einer Tasse Tee eine kurze Auszeit am Fenster, während im Hintergrund Kinderspielzeug liegt.

Es müssen keine großen Dinge sein

Im Internet sieht Selbstfürsorge oft wunderschön aus. Kerzen. Tee. Perfekt aufgeräumte Wohnzimmer.
Doch echte Selbstfürsorge sieht manchmal ganz anders aus. Manchmal bedeutet sie:

  • fünf Minuten allein auf der Terrasse sitzen
  • einen Spaziergang mit dem Hund machen
  • eine Freundin anrufen
  • Nein zu einer zusätzlichen Verpflichtung sagen
  • sich Hilfe holen
  • früher ins Bett gehen
  • einen Termin absagen, weil die Kraft einfach nicht reicht

Selbstfürsorge muss nicht perfekt aussehen. Sie muss nur helfen. Und was hilft, kann jeden Tag etwas anderes sein. Manchmal bedeutet Selbstfürsorge übrigens auch, sich den Familienalltag ganz bewusst ein bisschen leichter zu machen. Nicht alles selbst organisieren, nicht an jeden Termin denken und nicht zum hundertsten Mal daran erinnern müssen, dass noch etwas erledigt werden soll. Bei uns übernehmen inzwischen einige kleine Helfer genau solche Aufgaben. Welche Dinge sich dabei tatsächlich bewährt haben, zeige ich dir in meinem Artikel „12 Alltagshelfer für Kinder mit ADHS, die wirklich helfen“.

Die Sauerstoffmaske zuerst bei sich selbst

Im Flugzeug hört man immer denselben Satz:

Wer keine Luft bekommt, kann niemandem helfen. Daran muss ich manchmal denken, wenn ich wieder versuche, für alle da zu sein, obwohl ich selbst kaum noch Kraft habe.
Wenn wir dauerhaft erschöpft sind, gereizt reagieren, schlecht schlafen und nur noch funktionieren, ist das ein Zeichen, genauer hinzusehen. Nicht weil wir schlechte Eltern sind. Sondern weil wir Menschen sind. Und wenn eine kleine Pause nicht mehr reicht, dürfen wir uns auch Unterstützung holen. Mehr darüber, wie sich diese Erschöpfung im Familienalltag anfühlen kann, schreibe ich in meinem Artikel über Überforderung als Mama eines neurodivergenten Kindes.

Ein kleiner Schritt genügt

Vielleicht ist Selbstfürsorge heute nicht das große Wellnessprogramm. Vielleicht bedeutet sie einfach, diesen Beitrag zu lesen und sich einen Moment lang bewusst zu machen:

Auch ich bin wichtig.

Nicht erst dann, wenn alles erledigt ist. Nicht erst dann, wenn die Kinder groß sind. Nicht erst dann, wenn endlich wieder Ruhe einkehrt.

Sondern jetzt.

Denn eine Familie braucht keine perfekten Eltern. Sie braucht Eltern, die auf sich selbst achten dürfen.

Wie sieht Selbstfürsorge für dich aus?

Ich freue mich über deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren. ❤️

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