Selbstfürsorge – Warum sie für Eltern oft am schwersten ist
Wenn man Eltern nach ihren Wünschen fragt, kommen meist ähnliche Antworten: gesunde Kinder, eine glückliche Familie, weniger Stress im Alltag.
Fragt man hingegen, was sie für sich selbst tun, wird es oft still.
Gerade Eltern von neurodivergenten Kindern kennen dieses Gefühl. Da sind Termine, Gespräche mit Lehrpersonen, Hausaufgaben, Therapien, Anträge, Wutanfälle, Sorgen und die ständige Frage, ob man genug tut. Irgendwann dreht sich alles nur noch um die Bedürfnisse anderer.
Und man selbst? Man funktioniert einfach.
Ich kenne das nur zu gut. Lange Zeit dachte ich, Selbstfürsorge sei etwas für Menschen, die viel Freizeit haben. Ein Schaumbad, ein Wellnesswochenende oder ein Nachmittag mit einem guten Buch.
Die Realität sah bei mir anders aus. Zwischen Arbeit, Familie und Alltag blieb dafür kein Platz.
Bis mein Körper irgendwann deutlich gemacht hat, dass es so nicht weitergeht.
Selbstfürsorge ist nicht egoistisch
Viele Eltern haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie etwas für sich tun. Dabei würden wir genau das unseren Kindern niemals sagen. Wenn ein Kind erschöpft ist, darf es sich ausruhen. Wenn ein Kind traurig ist, trösten wir es. Wenn ein Kind überfordert ist, versuchen wir die Belastung zu reduzieren.
Warum behandeln wir uns selbst oft schlechter?
Selbstfürsorge bedeutet nicht, dass man die Familie vernachlässigt. Sie bedeutet, die eigenen Akkus aufzuladen, damit man überhaupt die Kraft hat, für andere da zu sein.
Es müssen keine großen Dinge sein
Im Internet sieht Selbstfürsorge oft wunderschön aus. Kerzen. Tee. Perfekt aufgeräumte Wohnzimmer.
Doch echte Selbstfürsorge sieht manchmal ganz anders aus.
Manchmal bedeutet sie:
- fünf Minuten alleine auf der Terrasse sitzen
- einen Spaziergang mit dem Hund machen
- eine Freundin anrufen
- Nein zu einer zusätzlichen Verpflichtung sagen
- sich Hilfe holen
- früher ins Bett gehen
- einen Termin absagen, weil die Kraft einfach nicht reicht
Selbstfürsorge muss nicht perfekt aussehen. Sie muss nur helfen.
Die Sauerstoffmaske zuerst bei sich selbst
Im Flugzeug hört man immer denselben Satz:
„Setzen Sie sich im Notfall zuerst selbst die Sauerstoffmaske auf, bevor Sie anderen helfen.“
Das klingt zunächst egoistisch. Ist es aber nicht. Wer keine Luft bekommt, kann niemandem helfen.
Genau so ist es im Familienalltag.
Wenn wir dauerhaft erschöpft sind, gereizt reagieren, schlecht schlafen und nur noch funktionieren, leidet am Ende die ganze Familie darunter. Nicht weil wir schlechte Eltern sind.
Sondern weil wir Menschen sind.
Ein kleiner Schritt genügt
Vielleicht ist Selbstfürsorge heute nicht das große Wellnessprogramm. Vielleicht bedeutet sie einfach, diesen Beitrag zu lesen und sich einen Moment lang bewusst zu machen:
Auch ich bin wichtig.
Nicht erst dann, wenn alles erledigt ist. Nicht erst dann, wenn die Kinder groß sind. Nicht erst dann, wenn endlich wieder Ruhe einkehrt.
Sondern jetzt.
Denn eine Familie braucht keine perfekten Eltern. Sie braucht Eltern, die auf sich selbst achten dürfen.
Wie sieht Selbstfürsorge für dich aus?
Ich freue mich über deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren. ❤️
