Mutter begleitet ihr Kind bei den Hausaufgaben am Küchentisch. Neben dem Heft stehen ein optischer Timer und ein Snack.

Weniger Stress bei den Hausaufgaben: 7 Dinge, die den Nachmittag leichter machen können

Stress bei den Hausaufgaben? 7 kleine Veränderungen, die euren Nachmittag leichter machen können


„Mach bitte deine Hausaufgaben.“
Ein harmloser Satz. Sollte man meinen. Bei uns kann er der Auftakt zu einer Diskussion sein, die länger dauert als die Hausaufgaben selbst.
Gerade nach einem anstrengenden Schultag ist der Kopf meines Kindes oft schon voll. Trotzdem liegt da noch das Heft. Und ich stehe daneben und versuche herauszufinden, ob ich gerade erklären, motivieren, erinnern oder einfach erst einmal den Mund halten sollte.

Warum ein Kind nach der Schule überhaupt so erschöpft sein kann, habe ich im Artikel „In der Schule klappt es doch“ – warum zu Hause trotzdem alles zu viel sein kann beschrieben. Hier soll es darum gehen, was wir bei den Hausaufgaben ganz konkret ausprobieren können.

Wenn du solche Nachmittage kennst: Ich habe keine Methode, mit der ab morgen jedes Kind lächelnd zum Schreibtisch läuft. Falls jemand eine findet, nehme ich gern zwei. Aber es gibt kleine Veränderungen, mit denen wir den Einstieg und das Dranbleiben leichter machen können. Such dir davon aus, was zu deinem Kind und eurem Alltag passt.

1. Erst zu Hause ankommen, dann über Hausaufgaben reden

Manche Kinder brauchen nach der Schule zuerst etwas zu essen. Andere müssen sich bewegen oder zehn Minuten allein sein. Mein erster Impuls ist trotzdem oft: „Was habt ihr auf?“ Schließlich möchte ich wissen, was uns heute noch erwartet.
Für mein Kind kann diese Frage schon die nächste Aufgabe sein, bevor es überhaupt die Schuhe ausgezogen hat.

Deshalb kann es helfen, eine Ankommenszeit auszuprobieren: Ranzen abstellen, etwas trinken, essen, kurz rausgehen oder in Ruhe spielen. Wie lang diese Pause sein sollte, ist von Kind zu Kind verschieden. Entscheidend ist, dass sie eine echte Pause ist und nicht eine halbe Stunde, in der ich alle fünf Minuten nach dem Hausaufgabenheft frage.

Ein grober Ablauf kann trotzdem Orientierung geben: „Erst essen wir etwas. Danach schauen wir gemeinsam ins Heft.“ Dann weiß das Kind, was kommt, ohne sofort damit anfangen zu müssen.

2. Die Aufgabe benennen, statt „Mach Hausaufgaben“ zu sagen

„Hausaufgaben machen“ ist erstaunlich ungenau. Mein Kind muss dafür erst den Ranzen öffnen, das richtige Heft finden, herausfinden, was auf ist, Material bereitlegen und entscheiden, womit es anfängt. Und das alles, bevor auch nur ein Wort geschrieben wurde.
Ich versuche deshalb, den ersten Schritt kleiner und konkreter zu machen:
„Hol bitte dein Deutschheft. Wir schauen uns Aufgabe 3 bis 5 an.“

Oder noch kleiner:
„Lies mir erst einmal vor, was bei Aufgabe 3 steht.“
Das klingt fast lächerlich einfach. Aber zwischen „Mach deine Hausaufgaben“ und „Lies die erste Aufgabe“ liegt für ein überfordertes Kind manchmal ein riesiger Unterschied. Es muss nicht den ganzen Nachmittag auf einmal schaffen. Es muss nur wissen, womit es beginnt.

Gerade bei Kindern mit ADHS ist dieser erste Schritt oft eine besondere Herausforderung. Denn Hausaufgaben verlangen nicht nur Konzentration, sondern auch Planung, Organisation und die Fähigkeit, überhaupt mit einer Aufgabe anzufangen. Warum das bei ADHS so schwierig sein kann und weshalb fehlende Motivation nicht immer das eigentliche Problem ist, erkläre ich ausführlicher in meinem Artikel „ADHS und Hausaufgaben: Wenn jeder Nachmittag zum Kampf wird“.

3. Aus einem großen Berg kleine Portionen machen

Wenn drei Fächer im Hausaufgabenheft stehen, sehe ich drei Aufgaben. Mein Kind sieht möglicherweise einen Berg, für den es nicht einmal die richtigen Schuhe hat.
Wir können gemeinsam aufschreiben, was heute ansteht, und es in kleine Schritte zerlegen. Zum Beispiel:

  • Deutschheft holen
  • Aufgabe 3 lesen
  • die ersten zwei Sätze schreiben
  • kurz aufstehen
  • die restlichen Sätze bearbeiten

Nach jedem Schritt darf ein Häkchen gesetzt werden. Nicht weil ein Häkchen pädagogische Wunder vollbringt, sondern weil sichtbar wird: Ich habe schon etwas geschafft.
Bei manchen Kindern funktioniert eine Liste auf Papier. Andere möchten lieber kleine Karten, die sie nach jeder Teilaufgabe umdrehen können. Und manche finden jede zusätzliche Liste furchtbar. Auch das ist eine hilfreiche Erkenntnis.

4. Zeit sichtbar machen – ohne ein Wettrennen daraus zu machen

„Noch zehn Minuten“ sagt einem Kind nicht immer viel. Ein optischer Timer zeigt dagegen, wie die Zeit vergeht. Wir könnten zum Beispiel vereinbaren: „Wir probieren es jetzt zehn Minuten mit Deutsch. Dann machen wir eine Pause und schauen weiter.“
Der Timer soll Orientierung geben. Er ist kein Countdown, bei dem ich danebenstehe und sage: „Beeil dich, der rote Bereich wird kleiner!“ Damit hätten wir nur einen zusätzlichen Gegner am Tisch.

Es muss auch kein besonderes Gerät sein. Eine einfache Uhr oder ein Küchentimer kann reichen. Entscheidend ist, ob die sichtbare Zeit deinem Kind hilft. Wenn das Ticken oder der ablaufende Kreis es eher nervös macht, probiert ihr etwas anderes. Der Timer soll den Nachmittag leichter machen, nicht spannender als nötig.

Wir nutzen zu Hause tatsächlich einen visuellen Timer, der uns nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch in anderen Alltagssituationen hilft. Er ist einer von mehreren kleinen Helfern, die sich bei uns im Laufe der Zeit bewährt haben. Welche das sind und warum wir sie nutzen, erzähle ich dir in meinem Artikel „12 Alltagshelfer für Kinder mit ADHS, die wirklich helfen“. Vielleicht ist ja auch für euch etwas dabei.

Ein Kind schreibt in sein Heft; ein optischer Timer mit roter Zeitanzeige steht gut sichtbar auf dem Tisch.

5. Bewegung erlauben, wenn sie beim Denken hilft

Ich habe lange geglaubt, Hausaufgaben müssten so aussehen: Kind sitzt still am Tisch, beide Füße auf dem Boden, Bleistift in der Hand. Die Realität sieht bei uns eher aus wie eine Mischung aus Lernen und Stuhlturnen.
Manchen Kindern hilft es, beim Zuhören oder Nachdenken die Füße zu bewegen. Vielleicht reicht es, zwischendurch aufzustehen oder eine Aufgabe im Stehen zu lesen. Ein elastisches Band zwischen den Stuhlbeinen kann den Füßen etwas zu tun geben, während die Hände schreiben. Andere Kinder mögen ein bewegliches Sitzkissen oder einen Stuhl, auf dem sie leicht wippen können.

Ich würde erst einmal beobachten: Kommt mein Kind so besser in die Aufgabe hinein, oder wird die Bewegung selbst zur Ablenkung? Es muss auch nicht immer am Schreibtisch sitzen. Vokabeln lassen sich beim Herumlaufen abfragen, und eine Aufgabe kann man manchmal erst mündlich besprechen, bevor jemand zum Stift greift.
Das Ziel ist nicht, dass mein Kind möglichst still aussieht. Es soll eine Haltung finden, in der es arbeiten kann.

Ein Kind liest seine Aufgabe im Stehen. Am Stuhl daneben sind ein elastisches Fußband und ein Sitzkissen angebracht.

6. Nicht jede Aufgabe allein lösen lassen

„Du kannst das doch, wir haben es gestern geübt“ ist ein Satz, der mir durchaus schon herausgerutscht ist. Leider hilft er meinem Kind selten beim ersten Schritt.
Manchmal braucht es gar keine komplette Erklärung. Es braucht jemanden, der kurz dabeisitzt, die Aufgabenstellung mit ihm liest oder fragt: „Was davon verstehst du schon?“ Bei einer Schreibaufgabe kann es helfen, die ersten Gedanken mündlich zu sammeln. Bei Mathe vielleicht, ein Beispiel gemeinsam anzuschauen und dann erst die nächste Aufgabe allein zu versuchen.
Dabei möchte ich die Hausaufgaben nicht für mein Kind machen. Ich möchte ihm helfen, ins Arbeiten hineinzufinden. Wenn es danach allein weitermachen kann, ziehe ich mich zurück. Wenn nicht, schauen wir, welcher Schritt noch zu groß ist.
Und ja, manchmal bedeutet Dabeisitzen auch, dass ich einfach nur anwesend bin. Ohne alle 40 Sekunden zu fragen, ob es schon fertig ist. Das ist für mich persönlich eine anspruchsvolle Übung.

7. Wissen, wann Schluss sein muss – und mit der Schule sprechen

Nicht jeder schwierige Nachmittag lässt sich mit einem Timer, einer Pause und einem Fußband retten. Wenn mein Kind immer wieder weint, wütend wird oder für wenige Aufgaben Stunden braucht, möchte ich nicht nur unsere Methode zu Hause optimieren. Dann muss ich auch fragen, ob die Menge und Art der Hausaufgaben gerade passen.
Es kann helfen, ein paar Tage lang knapp zu notieren: Was war auf? Wie lange hat es gedauert? Wobei brauchte das Kind Unterstützung? An welcher Stelle kippte die Stimmung? Mit solchen Beobachtungen lässt sich ein Gespräch mit der Lehrperson viel konkreter führen als mit „Hausaufgaben sind bei uns immer schlimm“.
Vielleicht braucht das Kind klarere Aufgabenstellungen, weniger Schreibumfang oder eine andere Form, zu zeigen, was es gelernt hat. Vielleicht stimmt auch etwas im Schulalltag nicht, das erst bei den Hausaufgaben sichtbar wird.
Ich möchte nicht, dass wir jeden Nachmittag bis zum völligen Zusammenbruch weitermachen, nur damit im Heft am Ende alles ausgefüllt ist. Manchmal ist die wichtigste Entscheidung, für heute aufzuhören und das Problem gemeinsam mit der Schule anzuschauen.

Es darf leichter werden, ohne perfekt zu werden

Vielleicht hilft deinem Kind eine Pause vor den Hausaufgaben. Vielleicht sind es winzige Teilaufgaben. Vielleicht arbeitet es besser, wenn die Füße in Bewegung bleiben und du die ersten fünf Minuten danebensitzt. Und vielleicht funktioniert das alles am Dienstag wunderbar und am Mittwoch überhaupt nicht.

Das heißt nicht, dass ihr etwas falsch gemacht habt. Kinder sind keine Geräte, bei denen man die richtigen sieben Einstellungen finden muss.
Ich möchte, dass mein Kind lernen kann, ohne dass unsere Beziehung jeden Nachmittag am Hausaufgabenheft hängt. Und ich möchte abends nicht nur wissen, welche Aufgaben erledigt sind, sondern auch, ob wir noch Kraft füreinander übrig haben. Wenn ein kleinerer Schritt uns dabei hilft, ist das für heute schon ziemlich viel.

Denn bei all den Herausforderungen, die Hausaufgaben für unsere Kinder mit sich bringen, vergessen wir manchmal, wie viel Kraft diese Nachmittage auch uns Eltern kosten. Ständig motivieren, erklären, beruhigen und dabei selbst möglichst gelassen bleiben – das ist auf Dauer ganz schön anstrengend. Wenn du manchmal das Gefühl hast, dass dir einfach alles zu viel wird, möchte ich dir auch meinen Artikel „Wenn du einfach nicht mehr kannst: Überforderung als Mama eines neurodivergenten Kindes“ ans Herz legen. Vielleicht erkennst du dich darin an der einen oder anderen Stelle wieder.

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